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Vom Musikverein bis zum Konzertverein: die Organisation von Konzertaktivitäten in Bozen von 1855 bis heute

Am Donnerstag, 13. Dezember 1855, wurde um 19 Uhr im Handelsgerichtsaal des Merkantilgebäudes die erste Saison des Bozner Musikvereins mit einem Festkonzert eröffnet. Der Musikverein wurde in einer Zeit gegründet, die sich durch die große Verbreitung von Musikvereinen charakterisieren lässt. Diese Zeit ist bezeichnend für den Übergang der musikalischen Akademien in privaten Salons wohlhabender Bürger und Edelleute der Stadt während des späten 18. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu öffentlichen, eintrittspflichtigen Konzerten.
Der Musikverein, dessen Ziel die „Erhaltung, Vervollkommnung und Verbreitung der Musik in unserer Stadt, sowie die Verbreitung musikalischer Genüsse durch öffentliche Produktionen, endlich die Gründung von Unterrichtsanstalten zur Heranbildung eines Nachwuchses an musikalischen Kräften“ war, wurde von 1855 bis 1862 von Josef Lutz (1822 – 1884) und von 1862 bis1866 von Matthäus Nagiller (1815 – 1874) geleitet. Diese beiden setzten sich vor allem für die Verbreitung von Werken aus der Wiener Klassik, aber auch der zeitgenössischen deutschen Romantik ein. Von 1867 bis 1880 leitete der Violinist und Komponist Josef Anzoletti (1823–1892) aus Bozen die Geschicke des Vereins. Er erweiterte das Repertoire durch Werke italienischer Komponisten und führte Kammermusikkonzerte ein. 1880 ging die Leitung an den Pianisten und Dirigenten Friedrich Rietz und von 1897 bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges zeichnete der Komponist Adolf Peter für das Programm verantwortlich. Unter seiner Leitung wurden einige Symphonien der Spätromantik aufgeführt.
Durch die Machtübernahme des faschistischen Regimes änderte Rom radikal seine politisch-administrative Haltung Südtirol gegenüber, wovon auch der Musikverein nicht verschont blieb. Am 12. August 1927 unterzeichneten die Verantwortlichen eine Vereinbarung mit dem Präfekten Alfonso Limongelli, in der die Übernahme der seit 1914 von Alois Kofler (1877 – 1965) geleiteten Musikschule an die Gemeindeverwaltung beschlossen wurde. Es entstand das Civico Liceo Musicale «Gioachino Rossini».
Ende Oktober 1928 ersetzte M. Mario Mascagni Oswald Gasteiger (1886 – 1943) als Direktor des Musikvereins und erneuerte Ende Januar 1929 den Direktionsrat. 1933 wurde die „Società Filarmonica“ durch die Gesellschaft „Amici della Musica“ ersetzt und 1935 übernahm die Stadtverwaltung die Leitung des Stadttheaters mittels eines Theaterbeirates, dem auch die Organisation der Konzertsaison anvertraut wurde. Die „Società dei Concerti“ (Konzertverein) wurde 1942 als autonomer Konzertveranstalter eingesetzt, „die organisch und kontinuierlich Musikabende veranstalten sollte, um die musikalische Erziehung der Bürgerschaft zu fördern.“ In Folge wurden zwei Konzertsaisonen mit Musikern und Ensembles höchsten Niveaus organisiert. Der Konzertverein wurde am Dienstag, 11. Februar 1947 im Saal des Hotels „Greif“ wiedergegründet. Im Rahmen des Eröffnungskonzertes der ersten Konzertsaison trat der bekannte Violinist Georg Kulenkampff zusammen mit dem Pianisten Antonio Beltrami auf die Bühne. Mit der Eröffnung des Konzertsaals des Konservatoriums im Mai 1949 zum Abschluss der dritten Konzertsaison des Konzertvereins – auf dem Programm stand ein Konzert mit dem Pianisten Arturo Benedetti Michelangeli, der zum 100. Todestag des Komponisten Werke von Chopin vortrug – beendete eine Epoche und läutete gleichzeitig eine neue, noch heute anhaltende Phase der Bozner Musikgeschichte ein.
Der rechtliche Gründungsakt des Konzertvereins wurde am 25. Oktober 1956 vollzogen, indem der Verein die „Aktivität, Rechte und Pflichten des vorab bestehenden Konzertvereins“ übernahm. Ziel des Vereins ist es, in der Stadt Bozen Musikveranstaltungen zu organisieren, die sich sowohl der Kammermusik, als auch dem symphonischen Repertoire widmen. Besonders wird der Verein jährlich einen Konzertzyklus mit Auftritten von Künstlern internationalen Ansehens aus Italien und dem Ausland organisieren.“ Der Rechtsanwalt Walther von Walther stand dem Konzertverein bis zur Mitte der 80er Jahre als Präsident vor. Auf ihn folgenden Dr. Walther von Tschurtschenthaler und 1988 Dr. Franz von Walther. Im Artikel 13 des Statutes wurde festgelegt, dass das Konservatorium Anrecht auf drei Vertreter im Direktionsrat des Konzertvereins hat: den Direktor und zwei Professoren, die vom Professorenkollegium ernennt werden. Der Direktor des Konservatoriums wirkt gleichzeitig als künstlerischer Leiter des Vereins.“ Während der ersten zwei Jahre des Bestehens des Vereins stand Mario Mascagni (1882 – 1948) dem Konzertverein als künstlerischer Leiter vor. Auf ihn folgte Cesare Nordio (1891 - 1977). Nordio rief 1949 eine Musikveranstaltung ins Leben, die sich nicht nur großer Beliebtheit erfreuen sollte, sondern Bozen auch auf internationalem Niveau bekannt machen sollte: den internationalen Klavierwettbewerb „Ferruccio Busoni“ anlässlich des 25. Todestages des großen Pianisten und Komponisten. 1962 folgte auf Cesare Nordio Giorgio Cambissa (1921 – 1998), der die Leitung des Konservatoriums und des Konzertvereins bis 1980 inne hatte. Nach Johanna Blum (1920-2005) trat von 1981 bis 1995 Hubert Stuppner an die Spitze des Vereins. 1995 wurde die entsprechende Klausel im Statut geändert und Josef Lanz mit dem Amt des künstlerischen Leiters betraut.

(Text: Giuliano Tonini)